Palazzo Lantieri und die Raimunds im “Giardino Viatori”

Den ganzen 2. April habe ich Görz (Gorizia) gewidmet.

Dem versteckten Zauber von Görz und seinen altösterreichischen Wurzeln und seinen aktuellen österreichischen dichterischen Verbindungen…………….

Zuerst ich habe die Gelegenheit von “Castelli Aperti” wahrgenommen, um zum dritten Mal den PALAZZO LANTIERI zu besuchen. Gräfin Carolina von Levetzow-Lantieri empfängt uns als erste Gruppe des Tages. Zufall, dass ich bei der ersten Gruppe dabei bin. Und Glück, denn die Gräfin nimmt sich viel Zeit. So viel Zeit, dass ihr Sohn Tassilo sie sogar mahnen muss, nun doch endlich zum Ausgang/Eingang zurückzukommen.

Märchenhafte – ich glaube, es waren fast – zwei Stunden, die mich wünschen lassen, die europäische Geschichte präsenter zu haben, denn diese ist in den Räumen des Palazzo Lantieri zum Geifen nahe. Und die Ahnung der Vorstellung, wie anders die Umgebung des Palazzo gewesen ist, als die Jagdgebiete der Familie noch bis nach Slowenien reichten.

Sogleich im Eingangsbereich erwartet uns die Überraschung einer Papierwerkstatt. Scriptorium Foroiuliense in San Daniele del Friuli schöpft Papier, bietet Kalligraphie-Kurse an und vieles mehr. Mittlerweile gibt es Gäste und Schüler aus der ganzen Welt! Wusstet ihr eigentlich, dass Steve Jobs Kalligraphie-Kurse besuchte? Von nix kommt nix.

img_1704img_1707img_1711
img_1709

Und nun der Palastrundgang, beginnen wir im Park:
img_1698img_1697img_1703

Gräfin Carolina pflückt eine Teerose mit einem Gast:
img_1700

Im Inneren:

img_1716

Das Porträt der “Lieblingsahnin” von Carolina (rechts vom Kamin). Sie war mit Schiller im Briefkontakt….
img_1718

Die Privatkapelle, in der Carolina schon als 5-jähriges Mädchen die Versunkenheit des Priesters in sein Amt erlebt hat und später – nach dem Gottesdienst – seine Hingabe an ein gutes Essen und einen guten Wein. Das Leben halt, nichts ist nicht nur weiß…
img_1720
Nach der Kapelle gehen wir in den Turm, den ältesten Teil des Palastes, indem sich die Installation von Iannis Kounellis befindet, die ich schon einmal erwähnt hatte: http://www.frauimfriaul.com/palazzo-lantieri-in-gorizia/
Der Künstler ist im Februar diesen Jahres in Rom im Alter von 80 Jahren verstorben.

Und dann zeigt uns Carolina noch die Fresken, die die Türkenbelagerungen von Wien darstellen. Grandios.
img_1728img_1727img_1725
Am Boden das Wappen der Lantieri und im Eck der Kinderwagen des Großvaters….
img_1729
Draußen – ein Frühlingstag und ein liebevoll hergerichteter kleiner Biergarten…
img_1731
Am Nachmittag komme ich mit meinen Kindern wieder, um ihnen die kleine Ausstellung der Plastikjuwelen zu zeigen, die es im Spiegelsaal für kurze Zeit zu sehen gibt. In der Zeit der Wirtschaftskrise des letzten Jahrhunderts (1929) begannen Künstler Schmuck aus “billigerem” Material zu designen. Schmuckstücke, die dann auch Präsidentinnen und Filmdiven getragen haben.
img_1714img_1722

SZENENWECHSEL:

Ich freue mich darauf, unsere Freunde Franziska und Hans Raimund zu treffen, die zu einer Dichterlesung in den Giardino Viatori gekommen sind. Der Giardino Viatori ist einer der Orte, die ich seit langem kennenlernen wollte. Heute ist die Gelegenheit, die Blütenpracht dieses Parks und vor allem seine unglaubliche Lage zu bewundern. Freie Sicht auf Görz mit seiner Burg (leider ein etwas dunkles Foto, es beginnt zu regnen).

img_1740
Auch die schönen Aquarelle von MARINA LEGOVINI müssen unter’s Dach gebracht werden:
img_1733

Und unter dem Dach – Franziska und Hans!
img_1743
Der Dichterlesung ist von Giovanni Fierro organisiert worden, in Zusammenarbeit mit Kulturhaus Görz.

Über Franziska und Hans Raimund habe ich schon einmal einen Artikel geschrieben, die beiden haben lang in Duino gelebt und gewirkt. Das Friaul ist sehr präsent in Hans Werk.

HIER WO

………………..die Alleen im Streulicht gilben

In abgesunkenen Gärten Rosen einzeln

Stehen  verschossen rot gewärtig dass

Die Bora sie mit ihrer Schere schneidet

Die Kastanien sich im Regen schwärzen

Frost die Borke wetterseitig sprengt

Der Holzrauch übern mürben Rasen kriecht

Und sich verschlieft in triefenden Gebüschen

Im Finstern Katzen wie die Kinder greinen

Die Hunde vif das Laub durchstöbern

Die alten Fischer alte Netze flicken

Das Meer dem Horizont sein Wasser reicht

Nach Fellen Schwefel und Fäkalien riecht

Weit weg zu Gipfeln Eiszungen sich strecken

Über Klippen sich ein Regenbogen

Wölbt

……………………….den ich erklimm und himmelquer

Bis an sein Ende geh und stets

Am Anfang steh

————————————————————————

(Diese Gedicht ist auch in italienischer Sprache unter dem Titel “QUI DOVE” erschienen.)

Hans liest seine Gedichte auf Deutsch vor. Franziska die italienischen Übersetzungen. Das Publikum ist nicht riesig, aber – wie man so schön sagt – erlesen. Und ich genieße es, die Brücken zwischen meiner alten und meiner neuen kleinen Welt zu spüren.

EIN REICHER TAG.

 

img_1753img_1747img_1751

 

 

Endlich ! – Der Palazzo Lantieri in Gorizia

Fantastisch, wenn sich die Pforten eines Palastes für dich öffnen und du eine echte Gräfin kennen lernst! Der Palazzo Lantieri in Gorizia wurde im 14.Jh. errichtet und hat illustre Gäste gesehen: Maria Theresia, Goethe, Schiller, Goldoni, um nur einige zu nennen!

Heute ist der Palazzo nicht täglich geöffnet, aber auf Voranmeldung und für zahlreiche Veranstaltungen, die von Kulinarik  über Ausstellungen bis zu Abenden mit DJs (wie jetzt gerade bei den “Gusti di Frontiera”) reichen.

Eine Bereicherung ohnegleichen ist aber für mich die Begegnung mit Carolina – Gräfin von Levetzow Lantieri, die perfekt Deutsch spricht und mich in jeder Hinsicht überrascht! Mit Ihrer natürlichen Eleganz, Direktheit, Freiheit und ihrem schnellen Geist. Hier ist sie inmitten der Installation von Jannis Kounellis – im  ältesten Teil des Palastes.

IMG_1324

Continua a leggere

Wie versüße ich mir den Winter? – Flohmarkt und Modemuseum in Gorizia


H
abe ich mal was von einem milden Winter hier im Friaul geschrieben? Der Winter muß mir das übel genommen habe und zeigt uns dieses Jahr doch manchmal was er drauf hat. (Schnee leider nicht…) Letzten Sonntag: Ausflug nach Gorizia – 2 Mamas und 3 Mädchen. Die Backen sind heute gerötet von der Kälte – trotz herrlicher Wintersonne.

Piazza Vittoria – auf diesem schönen Platz befindet sich auch der Neptunbrunnen (nicht im Bild), der nach den Entwürfen von Nicolò Pacassi gebaut wurde – dem Lieblingsarchitekten Maria Thersesia, unter der Gorizia seine Blütezeit erlebte.

Continua a leggere

Wie versüße ich mir den Winter? – Fiegl Weine (part two) und OSLAVIA

In meinem ersten Artikel über Fiegl habe ich angesprochen, dass meine Kollegen die Weinproduzenten von Oslavia als “Wilde” bezeichnet haben. Wahrscheinlich ist ein Grund für diese angebliche “Wildheit” die grausame Vergangenheit des schönen Hügels Oslavia.

Vielleicht versteht jemand in diesem Zusammenhang nicht die Überschrift “Wie versüße ich mir den Winter?”. Doch für mich ist “versüßen” auch: Studieren, Lesen, Zusammenhänge verstehen.

Im Folgenden übernehme ich zusammenfassend Inhalte aus dem – schon zitierten Buch – “The invisible part of wine” (von der Associazione Produttori Ribolla di Oslavia mit dem Seminario Permanente Luigi Veronelli, Edizioni Transmedia 2011), das in diesem Jahr auch auf Deutsch/Französisch erscheinen soll.

Oslavia war vor fast 100 Jahren einer der Hauptkriegsschauplätze des 1. Weltkrieges. Auf dem Foto sieht man links oben einen großen, weißen Zylinder, das ist die Gedenkstätte von Oslavia.

(Das tolle Foto ist von hier.) Continua a leggere

Wie versüße ich mir den Winter? – Fiegl Weine (part one)

Als ich vor zwei Jahren meinen 1. Sommelierkurs begonnen hatte, sprachen meine Kollegen und Kolleginnen -alle hier aus der Gegend-manchmal von den “Wilden” von Oslavia. Ich hatte keine Ahnung wovon sie sprachen. Im letzten Jahr habe ich dann die Vinitaly http://www.vinitaly.com/ (die größte Weinmesse Italiens) besucht und die Weine von RADIKON verkostet. Kurz darauf war ich bei Stefano Bensa von LA CASTELLADA. Und nun hatte ich die Möglichkeit FIEGL zu besuchen. Alle drei sind Weinproduzenten aus Oslavia. Mehr oder weniger wild. Alle drei unglaublich verbunden mit ihrem schönen Hügel, fünf Minuten vom Stadtzentrum von Gorizia/Görz http://www.turismofvg.it/G%C3%B6rz-und-Collio

Continua a leggere