Roncus – Rückblick auf ein gemeinsames Jahr

Der Sommer neigt sich langsam seinem Ende zu und die vendemmia, die Weinlese, steht vor der Tür. In den letzten 4 Jahre habe ich sie immer versäumt, da ich viermal auf dem Oktoberfest gearbeitet habe. Dieses Jahr will ich endlich wieder hier sein, auch wenn mir der “Himmel der Bayern” fehlen wird.

Die Weinlese werde ich bei RONCUS machen. Roncus ist ein schönes Weingut in Capriva del Friuli, geführt von den Geschwistern Antonella und Marco Perco. Marco Perco macht wunderbar ausdrucksstarke Weine mit Naturhefe. Zwischen den Reben seiner Weingärten und Weinberge wachsen Wiesen, Blumen und Kräuter. Seit Dezember ist Roncus “Umstellungsbetrieb Bio”, aber darüber möchte sich Marco nicht definieren, denn seine Arbeit hat sich durch die Zertifizierung nicht geändert. Hier ist Marco -links im Bild – mit Gianluca Castellano (ausgezeichneter Sommelier bei dem 2-Sterne-Restaurant “Agli Amici”) zu sehen._MG_7352

(Foto nicht von mir, Archiv Roncus)

Antonella ist  für die Gäste in den Ferienwohnungen GRIUNIT zuständig, für Verkostungen der Weine , für die Frühstücke mit selbstgemachter Marmelade und crostata und – für vieles mehr!

Roncus_Einfahrt

colazione

 

Im letzten Jahr habe ich dort mitgearbeitet  und war Ansprechpartnerin für alles, was die
deutsche Sprache und den deutsch-österreischen Markt betraf. Abgesehen davon haben wir zusammen zwei schöne Initiativen realisiert, die ich euch hier vorstellen möchte:

WEIN TREKKING!

Marcos bekanntester Wein sind die “Vecchie Vigne”, also “Alte Rebstöcke”. Unser Trekkingpfad führt auch an diesen vorbei. An diesen Rebstöcken, die 50-65 Jahre alt sind und so viel zu erzählen haben. Wenn wir später dann den Wein verkosten, finden wir diese Geschichten wieder……

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IMG_0657CALICI E PENNELLI (Weinkelche und Pinsel)

Wir verkosten drei Weine von Roncus (oder auch von einem anderen Produzenten) und setzen diese sinnliche Erfahrung der Düfte/Farben/Gaumenfreuden in einem Acquarell um. Angeleitet von der Künstlerin Alessia Bressanin

Eine ganz neue Erfahrung!

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Der große Verkostungssaal bei RONCUS, schließt an die im letzten Jahr realisierte professionelle Küche an. Jetzt ist hier auch Showcooking möglich, Ein “Küchenchef” wird eingeladen, der mit möglichst lokalen Zutaten ein Menü zaubert. Bei der Zubereitung kann zugeschaut werden, Fragen werden gerne beantwortet._MG_7271vecchievigne_F_Gallina 2016-2-59

(Fotos von Fabrice Gallina, aus dem Roncus-Archiv und von mir.)

Bei Interesse an Events bei Roncus, könnt ihr mir direkt schreiben: adelheidposch@roncus.it oder adelheidposch@gmail.com

 

 

Stanko Radikon

Hier in Piuma (Gorizia) wurde gestern Stanko Radikon beigesetzt. Einer der Großen hier. Zweifellos. Ich hatte das Glück mehrmals einige Stunden in seinem Weinkeller und in seiner Küche mit ihm und seiner Familie zu verbringen. Stanko, danke, dein freier Geist wird uns weiterhin begleiten und anspornen, nicht in der Mittelmäßigkeit zu versumpfen!

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El Sas de San Belin – Der mystische Stein in Polazzo

Bei einer Kräuterwanderung auf dem Karst, auf Facebook…..immer wieder kam mir “Sas de San Belin” zu Ohren. Ein riesiger Stein, den jemand von den Büschen befreit hatte, weil er gar nicht mehr zu sehen war? Seltsam. – Nun, eines Morgens ging ich los, ihn zu suchen: In Polazzo, Ortsteil von Fogliano……

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Zuerst hatte ich natürlich recherchiert und auf youtube diese beiden Videos gefunden: Eines über Cianela, den Mann , der es sich in seiner Pension zur Aufgabe gemacht hat, diesen Stein zu befreien. Und nicht nur das, auch einen wunderschönen Zugang zu schaffen. Wieviele Steine, wieviel Arbeit!!

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Ein zweites Video, das eine Legende um diesen mystischen Stein, von Hexen und wilden Tänzen und schlimmen Folgen ist da die Rede. Anscheinend gab es Gründe, die Dorfbevölkerung vom Stein des Belin fernhalten zu wollen. Wer aber war dieser Belin- der Sonnengott oder ein slowenischer Hirte? Legende, Geschichten, Mutmaßungen. War dieser Stein vielleicht sogar ein keltischer Altar?

Heute ist er für mich sicher eines – ein mystischer Ort. Ein Ort, an dem ein Mann für sich und andere etwas wiederentdeckt hat. Mit viel Mühe, Enthusiasmus und Liebe.

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Weininteresse – everywhere

Dieses Foto gefällt mit sehr, es ist bei einem sehr wichtigen Event enstanden -bei der Hochzeit meiner Schwester in Klosterneuburg/Österreich.

Es lässt mich immer wieder schmunzeln, weil es mein Weininteresse wirklich FESTGEHALTEN hat.

Der beste österreichiche Sekt, den ich bisher getrunken habe: Sekt Pinot Noir Brut vom Johanneshof Reinisch !

Beim Anschauen vom Reinisch Etikett

Neuentdeckungen in der VILLA FAVORITA

Auch dieses Jahr habe ich den Riesenauflauf von Vinitaly vermieden und habe mich am 11.April auf die zweite wichtige Naturweinmesse (letztes Jahr war ich in Cerea) begeben, die im gleichen Zeitraum im Großraum Verona-Vicenza stattfindet: “Villa Favorita”, organisiert von VINNATUR. Bis Montebello fahre ich mit dem Zug, dort steht erfreulicherweise schon der kostenlose Shuttle-Bus bereit und 10 Minuten später stehe ich vor dieser Pracht im Palladio-Stil:

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Natürlich bietet die Vinitaly eine unüberbietbare Vielzahl an Weinproduzenten, aber in den Messehallen kriege ich leicht einen Koller. Hier fühle ich mich sofort wohl, nein noch mehr, ich fühle mich wie eine Königin in meinem Reich. Continua a leggere

Reflexion über das Schreiben dieses Blogs zu Füßen eines “profanen Altars”

Gestern habe ich meine Gedanken geordnet, zu den Füßen eines “profanen Altars”. Der Altar ist ein Kunstwerk, das Federica Magrini und Lorenzo Mocchiutti sich für ihren Weinberg Ronco Pitotti erschaffen haben lassen (für alle, die Italienisch verstehen, hier mehr dazu). Ein Kraftort…………Ronco Pitotti Continua a leggere

Cividale und die Zuckerfee

Allora!

Zugegeben, dieser Artikel ist nicht über biodynamische Präparate (wie im letzten Artikel angekündigt), sondern über einen zuckersüßen Nachmittag in Cividale….Generell habe ich mir vorgenommen, nicht immer groß anzukündigen, worüber ich noch schreiben werde, denn damit setze ich mich selbst nur unter Druck. Der Biodynamie bin ich ein ganzes Stück näher gekommen, aber warum sollte ich die biodynamischen Präparate beschreiben, das sollen die Experten tun……

CIVIDALE ist eine der Perlen des Friauls. Zum Pflichtprogramm bei einem Besuch von Cividale gehört natürlich der langobardische Tempel, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Aber auch die “Teufelsbrücke” und die vielen kleinen Sträßchen werden euch gefallen. Seit letzter Woche werde ich allen nun auch die “Zuckerfee” empfehlen, einen Ort, an dem wieder neue Energie für die weiteren Besichtigungen getankt werden kann.

Malerisch gelegen auf der Piazza Paolo Diacono:

Piazza DiaconoZuckerfee Cividale Continua a leggere

Auf den Spuren der BIODYNAMIE – Franz WENINGER

“Demeter”, “biodynamisch”……diese Begriffe und Produkte haben mich immer interessiert. Aber ich kann mich noch deutlich erinnern, dass ich vor zwei Jahren, als ich über das Vergraben von Kuhhörnern (eine Prozedur, die der Herstellung der zwei biodynamischen Hauptpräparate dient) las, ein große Skepsis verspürte……Doch das Verlangen danach, mehr zu verstehen, ließ mich nicht mehr los.

Vor Weihnachten habe ich einen zweitägigen Kurs über VITICOLTURA BIODINAMICA (=biodynamischer Weinbau) in Sarvognano del Torre (bei Udine) gemacht. Mit Michele Lorenzetti, Biologe, Önologe und Winzer in der Toskana.  Aber bevor ich etwas mehr von diesem Kurs erzähle, ist es an der Zeit, an eine wichtige Begegnung zu denken, die ich in diesem Sommer hatte.

Manche Begegnungen müssen im Inneren reifen, bevor frau über sie schreiben kann…….

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich familiäre connections zum Burgenland habe. Dort – im Mittelburgenland (Horitschon) hat Franz Weninger mich in seine Weingärten mitgenommen. Aber zuerst stehen wir auf seiner Aussichtsrampe, die einem den Blick über Teile der pannonischen Tiefebene gewährt, an deren Ausläufern wir uns befinden. Franz Weninger2“Da hinten ist schon Ungarn!”

Franz Weninger erklaerendEine Situation ähnlich des Gebietes, in dem ich lebe. Italien – und dort -Slowenien. Große Weinanbaugebiete, von (fast) unsichtbaren Landesgrenzen durchteilt.

Den eisernen Vorhang gibt es glücklicherweise nicht mehr. Aber natürlich gibt es viele Barrieren, eine ist die der Sprache. Franz hat irgenwann verstanden, dass ihm die Weinbauschule in Niederösterreich, die er besucht hat, vor allem Mittel zur Weißweinherstellung an die Hand gegeben hat. Die Ungarn währenddessen sind Meister der Rotweine – und das Burgenland ist ein Land der großen Rotweine. So hat Franz also Ungarisch gelernt.Franz Weninger erklaerend 1

Das Weingut Weninger ist “Demeter-zertifiziert”, wie kam es dazu? Auf youtube findet ihr einige schöne Videos über Weninger, in einem (auch auf der Weninger-Internetseite http://www.weninger.com/ zu finden), erklärt Franz, dass sie sich 2004 als “biologisch” zertifizieren haben lassen. “Aber irgendwas hat  gefehlt…” Das war dann die Biodynamie. Was einige Prozeduren der Biodynamie sind, werde ich in meinem nächsten Artikel schreiben. Nur kurz: Sie geht – wie die Waldorfschulen – auf Rudolf Steiner zurück. 1924 hat er in Koberwitz mit seinem “Landwirtschaftlichen Kurs” die Grundlagen gelegt.

Wir steigen ins Auto und fahren auf eine kleine Anhöhe – zu einer anderen “Lage”. Auf der Fahrt dorthin, erzählt mir Franz von seinen Erfahrungen als Praktikant in Kalifornien. Dort fiel ihm das erste Mal auf, wie oft die physiologische Reife nicht mit der Zuckerreife der Trauben zusammenfiel, und wie dann im Nachhinein mit Kellertechnik eingegriffen werden musste. (Zu den Begriffen der Reife könnt ihr den Anfang dieses Artikels auf Vinolog lesen.) Nach der Rückkehr aus Amerika, war das sein Ausgangspunkt einer langen Recherche. Und nur bei Rudolf Steiner und dessen Ansätzen hat er Lösungen gefunden………Franz vor Auto

Franz Weninger ist der erste, der MICH auch “interviewt”, sonst bin ja meistens ich diejenige, die endlos viele Fragen stellt.

“Was empfindest du hier – wie ist die Luft/der Boden/die Pflanze hier – im Vergleich zur Ebene (beim Aussichtspunkt)?”Wiese zwischen RebzeilenHaeuschenSchild Weninger

Er gibt mir sogar ein Stück Erde in die Hand und fordert mich auf, daran zu riechen. Es riecht nach Wald . Nach Humus – einfach nach lebendigen Prozessen. Und das ist ja leider das Problem, dass man das von vielen intensiv-landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht sagen kann…..

alles will Wald werden

Ich bewundere das T-Shirt von Franz und frage nach seiner Bedeutung.

Es ist eines einer Serie, die die “Helfer” im Weinberg zeigt. All die kleinen Tierchen, die für den Boden und seine Fruchtbarkeit arbeiten. Der Name des Tieres steht immer auf der Vorderseite des T-Shirts – auf Ungarisch und auf Deutsch!TShirt

Später sind wir im Weinkeller – Franz zeigt mir vieles, was ich schon in -zig Weinkellern gesehen habe – aber noch nie BRENNNESSELN. Mit diesen werden Aufgüsse für die Reben gemacht.

Eine WENINGER – WAND. Eine dieser Kisten ziert jetzt auch eine Ecke meines Wohnzimmers.. Weinschachteln

Natürlich verkosten wir zum Schluss. Der “Kirchholz”-Blaufränkisch,der Kekfrankos (Blaufränkisch aus dem Anbaugebiet der Weninger in Ungarn) und der Grüne Veltliner sind meine Favoriten, von denen ich mir auch ein paar Flaschen nach Hause mitnehme. .

Charakterweine, die davon erzählen, dass sie gut begleitet wurden.

Ich veranschiede mich mit der Gewissheit im Herzen, heute wieder mal was Wichtiges BEGRIFFEN zu haben.