Palazzo Lantieri und die Raimunds im “Giardino Viatori”

Den ganzen 2. April habe ich Görz (Gorizia) gewidmet.

Dem versteckten Zauber von Görz und seinen altösterreichischen Wurzeln und seinen aktuellen österreichischen dichterischen Verbindungen…………….

Zuerst ich habe die Gelegenheit von “Castelli Aperti” wahrgenommen, um zum dritten Mal den PALAZZO LANTIERI zu besuchen. Gräfin Carolina von Levetzow-Lantieri empfängt uns als erste Gruppe des Tages. Zufall, dass ich bei der ersten Gruppe dabei bin. Und Glück, denn die Gräfin nimmt sich viel Zeit. So viel Zeit, dass ihr Sohn Tassilo sie sogar mahnen muss, nun doch endlich zum Ausgang/Eingang zurückzukommen.

Märchenhafte – ich glaube, es waren fast – zwei Stunden, die mich wünschen lassen, die europäische Geschichte präsenter zu haben, denn diese ist in den Räumen des Palazzo Lantieri zum Geifen nahe. Und die Ahnung der Vorstellung, wie anders die Umgebung des Palazzo gewesen ist, als die Jagdgebiete der Familie noch bis nach Slowenien reichten.

Sogleich im Eingangsbereich erwartet uns die Überraschung einer Papierwerkstatt. Scriptorium Foroiuliense in San Daniele del Friuli schöpft Papier, bietet Kalligraphie-Kurse an und vieles mehr. Mittlerweile gibt es Gäste und Schüler aus der ganzen Welt! Wusstet ihr eigentlich, dass Steve Jobs Kalligraphie-Kurse besuchte? Von nix kommt nix.

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Und nun der Palastrundgang, beginnen wir im Park:
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Gräfin Carolina pflückt eine Teerose mit einem Gast:
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Im Inneren:

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Das Porträt der “Lieblingsahnin” von Carolina (rechts vom Kamin). Sie war mit Schiller im Briefkontakt….
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Die Privatkapelle, in der Carolina schon als 5-jähriges Mädchen die Versunkenheit des Priesters in sein Amt erlebt hat und später – nach dem Gottesdienst – seine Hingabe an ein gutes Essen und einen guten Wein. Das Leben halt, nichts ist nicht nur weiß…
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Nach der Kapelle gehen wir in den Turm, den ältesten Teil des Palastes, indem sich die Installation von Iannis Kounellis befindet, die ich schon einmal erwähnt hatte: http://www.frauimfriaul.com/palazzo-lantieri-in-gorizia/
Der Künstler ist im Februar diesen Jahres in Rom im Alter von 80 Jahren verstorben.

Und dann zeigt uns Carolina noch die Fresken, die die Türkenbelagerungen von Wien darstellen. Grandios.
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Am Boden das Wappen der Lantieri und im Eck der Kinderwagen des Großvaters….
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Draußen – ein Frühlingstag und ein liebevoll hergerichteter kleiner Biergarten…
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Am Nachmittag komme ich mit meinen Kindern wieder, um ihnen die kleine Ausstellung der Plastikjuwelen zu zeigen, die es im Spiegelsaal für kurze Zeit zu sehen gibt. In der Zeit der Wirtschaftskrise des letzten Jahrhunderts (1929) begannen Künstler Schmuck aus “billigerem” Material zu designen. Schmuckstücke, die dann auch Präsidentinnen und Filmdiven getragen haben.
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SZENENWECHSEL:

Ich freue mich darauf, unsere Freunde Franziska und Hans Raimund zu treffen, die zu einer Dichterlesung in den Giardino Viatori gekommen sind. Der Giardino Viatori ist einer der Orte, die ich seit langem kennenlernen wollte. Heute ist die Gelegenheit, die Blütenpracht dieses Parks und vor allem seine unglaubliche Lage zu bewundern. Freie Sicht auf Görz mit seiner Burg (leider ein etwas dunkles Foto, es beginnt zu regnen).

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Auch die schönen Aquarelle von MARINA LEGOVINI müssen unter’s Dach gebracht werden:
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Und unter dem Dach – Franziska und Hans!
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Der Dichterlesung ist von Giovanni Fierro organisiert worden, in Zusammenarbeit mit Kulturhaus Görz.

Über Franziska und Hans Raimund habe ich schon einmal einen Artikel geschrieben, die beiden haben lang in Duino gelebt und gewirkt. Das Friaul ist sehr präsent in Hans Werk.

HIER WO

………………..die Alleen im Streulicht gilben

In abgesunkenen Gärten Rosen einzeln

Stehen  verschossen rot gewärtig dass

Die Bora sie mit ihrer Schere schneidet

Die Kastanien sich im Regen schwärzen

Frost die Borke wetterseitig sprengt

Der Holzrauch übern mürben Rasen kriecht

Und sich verschlieft in triefenden Gebüschen

Im Finstern Katzen wie die Kinder greinen

Die Hunde vif das Laub durchstöbern

Die alten Fischer alte Netze flicken

Das Meer dem Horizont sein Wasser reicht

Nach Fellen Schwefel und Fäkalien riecht

Weit weg zu Gipfeln Eiszungen sich strecken

Über Klippen sich ein Regenbogen

Wölbt

……………………….den ich erklimm und himmelquer

Bis an sein Ende geh und stets

Am Anfang steh

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(Diese Gedicht ist auch in italienischer Sprache unter dem Titel “QUI DOVE” erschienen.)

Hans liest seine Gedichte auf Deutsch vor. Franziska die italienischen Übersetzungen. Das Publikum ist nicht riesig, aber – wie man so schön sagt – erlesen. Und ich genieße es, die Brücken zwischen meiner alten und meiner neuen kleinen Welt zu spüren.

EIN REICHER TAG.

 

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Živijo! – Eine Geburtstagsfeier für Stanko Radikon (in memoriam) – Teil 2

Diesen zweiten Teil wollte ich einfach dem gelungenen Fest widmen. Hunderte Autos entlang der schmalen Straßen von OSLAVIA und auf verschiedensten provisorischen Parkplätzen. Dort, wo es sonst immer ganz ruhig und beschaulich zugeht.

An den Wänden des größten Raums Fotos, die Stanko Radikon zeigen. Eine Ausstellung von Fabio Rinaldi.

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Stanko, wie wir ihn geliebt haben, bei bester Laune. Continua a leggere

Živijo! – Eine Geburtstagsfeier für Stanko Radikon (in memoriam) – Teil 1

Am 20. Dezember hätte Stanko Radikon seinen Geburtstag gefeiert. Wie immer mit vielen Freunden. Auch diesmal gab es ein Fest – und Stanko war fühlbar dabei, aber auf andere Weise als sonst.

Die Begegnung mit Stanko Radikon bleibt sicher eine der prägendsten in meiner persönlichen “Weingeschichte”. Seine Weine liebt man oder – auch nicht. Aber egal können sie einem kaum bleiben. Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass ich seine Weine liebe: VINI MACERATI. Weißweine mit langer Maischestandzeit, die eine tieforange Farbe und einen bemerkenswerten Körper und Duft entwickeln. Und unvergleichbar bleiben. Radikon bleibt Radikon.

Seitdem Stanko nicht mehr da ist, führen Susanna (Stankos Frau) und Sasa (ihr Sohn) das Weingut weiter. Und ihnen verdanken wir Teilnehmer dieses großartige Fest, das für mich schon um 11.00 im neuen Verkostungssaal beginnt. Im Verkostungssaal, der heute am 20.Dezember 2016 eingeweiht, zu Ehren von Stanko, der seit Jahren an diesem Projekt der Erweiterung seiner “azienda” gearbeitet hatte.

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Spektakulär ist die Aussicht auf Oslavia (auch durch’s Fenster fotografiert): Continua a leggere

Der VITOVSKA von Parovel

Und weiter geht’s mit zwei besonderen Frauen hier im Friaul: Elena Parovel und Liliana Savioli. Von den beiden wurde ich Anfang Oktober eingeladen, an ihrer Vitovska- Vertikale teilzunehmen. Über das Olivenöl von Parovel hatte ich ja vor einem Jahr schon geschrieben und auch über den Vitovska, der als einheimische Rebsorte fast nur um Triest zu finden ist. Heute soll ich also den Vitovska von Parovel kennen lernen. Eigentlich bin ich ja eher ein Fan von mazerierten Vitovskas, aber ich bin sehr neugierig. Der Betrieb Parovel hat seinen Sitz dort, wo sich die Pforten des “Val Rosandra” (ein Naturschutzgebiet, interessant zum Wandern und Vögel beobachten) über Triest öffnen. Wo die Bora oft pfeift…

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Liliana Savioli, meine Lieblingssommelier, treibt sich bei meiner Ankunft schon mit den früh angekommenen anderen Gästen in den “Lehrrebreihen” vor dem Weingut herum. Continua a leggere

Endlich ! – Der Palazzo Lantieri in Gorizia

Fantastisch, wenn sich die Pforten eines Palastes für dich öffnen und du eine echte Gräfin kennen lernst! Der Palazzo Lantieri in Gorizia wurde im 14.Jh. errichtet und hat illustre Gäste gesehen: Maria Theresia, Goethe, Schiller, Goldoni, um nur einige zu nennen!

Heute ist der Palazzo nicht täglich geöffnet, aber auf Voranmeldung und für zahlreiche Veranstaltungen, die von Kulinarik  über Ausstellungen bis zu Abenden mit DJs (wie jetzt gerade bei den “Gusti di Frontiera”) reichen.

Eine Bereicherung ohnegleichen ist aber für mich die Begegnung mit Carolina – Gräfin von Levetzow Lantieri, die perfekt Deutsch spricht und mich in jeder Hinsicht überrascht! Mit Ihrer natürlichen Eleganz, Direktheit, Freiheit und ihrem schnellen Geist. Hier ist sie inmitten der Installation von Jannis Kounellis – im  ältesten Teil des Palastes.

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Roncus – Rückblick auf ein gemeinsames Jahr

Der Sommer neigt sich langsam seinem Ende zu und die vendemmia, die Weinlese, steht vor der Tür. In den letzten 4 Jahre habe ich sie immer versäumt, da ich viermal auf dem Oktoberfest gearbeitet habe. Dieses Jahr will ich endlich wieder hier sein, auch wenn mir der “Himmel der Bayern” fehlen wird.

Die Weinlese werde ich bei RONCUS machen. Roncus ist ein schönes Weingut in Capriva del Friuli, geführt von den Geschwistern Antonella und Marco Perco. Marco Perco macht wunderbar ausdrucksstarke Weine mit Naturhefe. Zwischen den Reben seiner Weingärten und Weinberge wachsen Wiesen, Blumen und Kräuter. Seit Dezember ist Roncus “Umstellungsbetrieb Bio”, aber darüber möchte sich Marco nicht definieren, denn seine Arbeit hat sich durch die Zertifizierung nicht geändert. Hier ist Marco -links im Bild – mit Gianluca Castellano (ausgezeichneter Sommelier bei dem 2-Sterne-Restaurant “Agli Amici”) zu sehen._MG_7352

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Stanko Radikon

Hier in Piuma (Gorizia) wurde gestern Stanko Radikon beigesetzt. Einer der Großen hier. Zweifellos. Ich hatte das Glück mehrmals einige Stunden in seinem Weinkeller und in seiner Küche mit ihm und seiner Familie zu verbringen. Stanko, danke, dein freier Geist wird uns weiterhin begleiten und anspornen, nicht in der Mittelmäßigkeit zu versumpfen!

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El Sas de San Belin – Der mystische Stein in Polazzo

Bei einer Kräuterwanderung auf dem Karst, auf Facebook…..immer wieder kam mir “Sas de San Belin” zu Ohren. Ein riesiger Stein, den jemand von den Büschen befreit hatte, weil er gar nicht mehr zu sehen war? Seltsam. – Nun, eines Morgens ging ich los, ihn zu suchen: In Polazzo, Ortsteil von Fogliano……

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